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#Weaving

"Dynamische Märkte bedeuten nicht nur Unsicherheit – sie bieten auch neue Marktchancen"

Volatile Märkte, immer komplexere Materialien und steigende Anforderungen an Flexibilität verändern die Weberei. Gleichzeitig entstehen neue Chancen in den Bereichen Technische Textilien, Filtration, Composites und vielen weiteren Spezialanwendungen. Seit Anfang 2026 leitet Yvonne Schuberth die Produktlinie Webmaschinen bei Lindauer DORNIER und gestaltet diese Entwicklung maßgeblich mit. Im Interview mit TexData erläutert sie, warum Prozessstabilität und Kundennähe die Grundlage für Innovation bleiben, wie die Digitalisierung Webereien verändert und weshalb sie die Zukunft in technologisch anspruchsvollen Anwendungen sieht.

Interview

Yvonne Schuberth, Head of Product Line Weaving Machines, Lindauer DORNIER GmbH

TexData – Oliver Schmidt –Editor in Chief


1. Frau Schuberth, Sie haben zum 1. Januar 2026 die Leitung der Webmaschinensparte bei DORNIER übernommen, nachdem Sie zuvor unter anderem den Vertriebsinnendienst verantwortet haben. Sie kennen damit sowohl die Produkte als auch die Kunden und Märkte sehr gut. Was hat sich für Sie mit der Übernahme der Gesamtverantwortung verändert – und welche Schwerpunkte möchten Sie in Ihrer neuen Position setzen?

Mit der Übernahme der Gesamtverantwortung hat sich mein Blick natürlich noch einmal deutlich erweitert. Ich habe die ersten Monate deshalb bewusst genutzt und zugehört – intern in der Entwicklung, im Vertrieb, im Service und vor allem im direkten Austausch mit unseren Kunden weltweit. Das Wichtigste war dabei, zu verstehen, wo unsere Kunden heute besonders unter Druck stehen und wie wir sie mit Webmaschinentechnologie noch besser unterstützen können.

Als Textilingenieurin habe ich vorher im Bereich technischer, feuerfester Gewebe für Schutzbekleidung gearbeitet und anschließend viele Jahre den Vertriebsinnendienst der Produktlinie Webmaschinen bei der Lindauer DORNIER verantwortet. Daher bin ich bestens vertraut mit den unterschiedlichen Geweben, die auf unseren Webmaschinen hergestellt werden, ebenso wie die Fragen, die unsere Kunden vor Investitionsentscheidungen beschäftigen.

Meine Erfahrung aus Textiltechnik und Vertrieb möchte ich gemeinsam mit meinem Team nutzen, um maßgeschneiderte Webmaschinenlösungen zu entwickeln und gleichzeitig die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen unserer Kunden bei Investitionsentscheidungen im Blick zu behalten. Dabei stehen für mich der persönliche Austausch auf Augenhöhe und die Kundennähe ganz oben, weil ich aus dem Vertrieb weiß, wie viel man daraus lernt, wenn man wirklich zuhört.

Technologisch wollen wir uns vor allem bei den technischen Textilien weiterentwickeln – nach wie vor einer der innovationsdynamischsten Bereiche der Textilindustrie.


2. Sie haben die Leitung der Webmaschinensparte in einer wirtschaftlich herausfordernden Zeit übernommen. DORNIER spricht von volatilen Marktanforderungen und Sie selbst sagten jüngst, dass Webtechnologie zuverlässig und flexibel zugleich sein muss. Können Sie das für unsere Leser etwas greifbarer machen? Wie zeigt sich die aktuelle Situation auf dem weltweiten Webmaschinenmarkt? Was genau erwarten Ihre Kunden? Und wie geht diese Reise weiter?

Als Unternehmen mit einer Exportquote von über 90 Prozent erleben wir die Herausforderungen unserer Kunden weltweit sehr unmittelbar: Sie müssen auf volatilen Märkten, die von schwankender Nachfrage, hohen Kosten, geopolitischen Unsicherheiten und Fachkräftemangel geprägt sind, wirtschaftlich und wettbewerbsfähig produzieren.

Und egal, ob sie Bekleidung, Heimtextilien, technische Textilien oder Composite-Verstärkungsgewebe auf unseren Maschinen herstellen, erwarten sie vor allem eines: die hohe Prozessstabilität und Zuverlässigkeit, die sie von der DORNIER-Webmaschinensystemfamilie gewohnt sind. Gleichzeitig brauchen sie aber auch Flexibilität, um schnell auf veränderte Anforderungen reagieren zu können: Auftragsgrößen schwanken, Artikel müssen häufiger gewechselt und unterschiedliche Materialien auf derselben Maschine effizient verarbeitet werden.

Genau diesen Spagat zwischen Zuverlässigkeit und Flexibilität ermöglichen wir mit unseren Luft- und Greiferwebmaschinen. So können unsere Kunden ihre Produktion schnell anpassen, ohne Abstriche bei Qualität und Produktivität machen zu müssen. Dynamische Märkte bedeuten aber nicht nur Unsicherheit – sie bieten auch neue Marktchancen. Gerade bei technischen Textilien entstehen dauernd neue Anwendungen und Anforderungen in Bereichen wie Mobilität, Luftfahrt, Filtration, Umwelttechnik, Bau, Infrastruktur, Medizin, Schutz oder Energie.

Wer sein Portfolio hier flexibel erweitern kann, erschließt sich neue Märkte und macht sich unabhängiger von einzelnen Segmenten. Dabei stellen wir immer wieder fest, dass gerade unser hoher Eigenfertigungsanteil und das bewusste Festhalten am Produktionsstandort Deutschland – Stichwort „Made in Germany“ – für viele unserer internationalen Kunden und Partner wichtige Vertrauensanker sind.

Deshalb werden wir die Verbindung aus Prozesssicherheit und Flexibilität bei unseren Webmaschinen auch in Zukunft konsequent weiterentwickeln.


3. Ihr Vorgänger Wolfgang Schöffl hat die Webmaschinensparte über viele Jahre geprägt und DORNIER konsequent auf technologisch anspruchsvolle Anwendungen ausgerichtet. Das Unternehmen hat sich damit in zahlreichen hochspezialisierten Nischen technischer Textilien eine führende Position erarbeitet und sich gleichzeitig stark aus dem Commodity-Geschäft zurückgezogen. Wie werden Sie diesen strategischen Weg fortsetzen – und wo möchten Sie möglicherweise neue Wege gehen?

Die Ausrichtung auf technologisch anspruchsvolle Anwendungen hat bei DORNIER eine lange Tradition. Nehmen Sie zum Beispiel den frühen Einsatz von Faserverbundwerkstoffen in der europäischen Luft- und Raumfahrtindustrie in den 1970er-Jahren.

Schon damals wurden Glas- und Carbonfasern auf DORNIER-Greiferwebmaschinen zu textilen Halbzeugen verarbeitet, beispielsweise für Leitwerksteile von Flugzeugen, Raketenbauteile und Bremsklappen von Jets. Diesen Weg werden wir konsequent fortsetzen und uns auf Anwendungen konzentrieren, bei denen Prozessstabilität, Präzision, Flexibilität und ein tiefes Prozess-Know-how entscheidend sind.

Gerade die Produktion technischer Gewebe stellt ja extrem hohe Anforderungen an die Webmaschine – in vielen Fällen ist eine fehlerfreie Produktion zwingend erforderlich. Wo Standardlösungen nicht ausreichen und Maschinen-, Material- und Prozesswissen gefragt ist, liegt auch künftig eine Stärke von DORNIER.

Ein aktuelles Beispiel ist unser Anlagensystem TRITOS® FLEX, eine Weiterentwicklung der DORNIER 3D-Webmaschine TRITOS®. Damit wollen wir Unternehmen den Einstieg in die skalierbare Produktion von 3D-Geweben erleichtern.

TRITOS® FLEX  Anlagensystem  © 2026 Lindauer DORNIER
TRITOS® FLEX Anlagensystem © 2026 Lindauer DORNIER



4. In klassischen Textilmärkten wie Bekleidung und Heimtextilien ist DORNIER heute vor allem dort stark, wo Kunden außergewöhnlich hohe Anforderungen an Qualität und Technologie stellen. Insgesamt reicht das Anwendungsspektrum Ihrer Maschinen inzwischen von feinsten Geweben und Drähten über Filtermedien bis hin zu Carbon und anderen Hochleistungsmaterialien. Wo liegen bei dieser enormen Bandbreite die Gemeinsamkeiten? Liegen sie in dem technologischen Anspruch einer Anwendung und was macht DORNIER hier so besonders?

Das stimmt, unsere Webmaschinen verarbeiten ganz unterschiedliche Materialien sicher und effizient – von Natur- und Chemiefasern über hochempfindliche Seidengarne für Gewebe mit bis zu 250 Fäden pro Zentimeter und feinste Metalldrähte bis hin zu Hochleistungsfasern aus Carbon, Glas oder Aramid. Nicht ohne Grund sagen wir: Alles, was sich auf eine Garnspule wickeln lässt, kann auf einer DORNIER-Webmaschine zu Gewebe verarbeitet werden.

Eine wichtige Gemeinsamkeit liegt in den anspruchsvollen Prozessanforderungen und dem technologischen Anspruch unserer Kunden. Egal, ob sie Anzugstoffe, Teppiche, Airbags, Reifencord, Filtergewebe, Verstärkungsgewebe für Composites oder Gewebe für die Wasserstoff-Elektrolyse herstellen – sie alle erwarten eine absolut stabile, präzise und reproduzierbare Produktion.

Um das bei unterschiedlichsten Materialien und Webarten sicherzustellen und flexibel zu bleiben, setzen wir konsequent auf unseren modularen Systembaukasten. Er verbindet die bekannte mechanische Stabilität der DORNIER-Webmaschinen mit der Flexibilität, jede Maschine auf kundenspezifische Anforderungen auszulegen. Damit verschaffen wir unseren Kunden den technischen und kreativen Spielraum, den sie für ihre Anwendung brauchen – ohne Kompromisse bei Qualität und Prozessstabilität.


5. DORNIER ist regelmäßig auf hochspezialisierten Fachmessen wie beispielsweise der FILTECH präsent. Dort stehen Anwendungen wie Filtration, Wasseraufbereitung oder industrielle Prozesse im Mittelpunkt – also Märkte, die weit über die klassische Textilindustrie hinausgehen. Welche Bedeutung haben diese Spezialanwendungen heute für DORNIER? Und wie wichtig ist es für Sie, dort präsent zu sein, wo die späteren Einsatzgebiete der Gewebe im Fokus stehen?

Spezialanwendungen haben für DORNIER eine sehr große Bedeutung.

Als Maschinen- und Anlagenbauer sind Fachmessen der Anwenderbranchen für uns deshalb wichtige Impulsgeber. Im direkten Austausch mit Herstellern und Anwendern erfahren wir aus erster Hand, welche technologischen Anforderungen sich aus neuen Produkten ergeben, welche Maschinenfunktionen benötigt werden und welche Materialien gerade an Bedeutung gewinnen.

Dieser persönliche Austausch hat bei DORNIER eine lange Tradition – schließlich muss man wissen, was der Kunde produzieren will, um zu verstehen, welche Maschine und welche technische Auslegung er braucht.

Im Bereich Filtration sehen wir, dass die Nachfrage nach feinen und belastbaren Filtergeweben, wie sie auf unseren Webmaschinen hergestellt werden, weltweit steigt. Denn die Anforderungen an die Luft- und Wasserqualität nehmen ebenso zu wie die verlässliche Kontrolle von Emissionen. Deshalb kommen alle drei Modelle unserer Greiferwebmaschine P2 im Filtrationsbereich zum Einsatz: Mit Blattanschlagskräften von 2,3, 3,7 und 5,0 Tonnen decken sie das ganze Spektrum vom schweren Industriefilter bis zum feinen Präzisionsfilter ab.


6. Viele dieser Spezialanwendungen sind für sich genommen Nischenmärkte. Liegt das zukünftige Wachstum für DORNIER darin, kontinuierlich neue Anwendungsfelder zu erschließen, oder sehen Sie Anwendungen, die heute noch vergleichsweise klein sind, aber das Potenzial haben, sich zu bedeutenden industriellen Märkten für die Webtechnologie zu entwickeln?

Beides spielt eine Rolle.

Einerseits entsteht Wachstum, indem man kontinuierlich neue Anwendungsfelder erschließt. Deshalb ist DORNIER traditionell ein enger Partner von führenden Herstellern technischer Textilien und Verstärkungsgeweben aus Carbon, Glas und Aramid, die wir oft von den ersten Versuchen bis zur Serie begleiten.

Andererseits beobachten wir Entwicklungen, die sich noch in der Forschungs- oder frühen Industrialisierungsphase befinden, die aber das Potenzial haben, künftig größere Märkte zu prägen.

Der Peter Dornier-Stiftungspreis, dessen Idee auf unseren Gründer Peter Dornier zurückgeht, zeigt hier jedes Jahr aufs Neue, welche außergewöhnlichen Anwendungen mit Webtechnologie heute möglich sind. Viele der prämierten Forschungsarbeiten – etwa gewebte Herzklappen, faltbare Flugzeugflügel oder zuletzt porenärmere und schlagfestere Faserverbundbauteile – befinden sich zwar noch in der Forschungsphase, könnten aber eines Tages industrielle Standards setzen und neue Märkte erschließen.

Unsere Aufgabe als Maschinen- und Anlagenbauer ist es, frühzeitig die passenden Technologien bereitzustellen und den Transfer innovativer Gewebeansätze vom Labor in die wirtschaftliche Produktion aktiv zu unterstützen.

Das Gespräch auf der Techtextil 2026 in Frankfurt legte den Grundstein für dieses Interview: Yvonne Schuberth, Leiterin der Produktlinie Webmaschinen bei Lindauer DORNIER, mit TexData-Chefredakteur Oliver Schmidt. © 2026 TexData International
Das Gespräch auf der Techtextil 2026 in Frankfurt legte den Grundstein für dieses Interview: Yvonne Schuberth, Leiterin der Produktlinie Webmaschinen bei Lindauer DORNIER, mit TexData-Chefredakteur Oliver Schmidt. © 2026 TexData International



7. Auf der Techtextil haben Sie das PIRO-System für die DORNIER P2 erstmals auf einer europäischen Messe vorgestellt. Die Lösung verspricht unter anderem weniger Schussabfall, kürzere Artikelwechselzeiten und eine höhere Reproduzierbarkeit. Welches Problem löst PIRO in der Praxis, und wie haben die Besucher auf diese Innovation reagiert?

Mit PIRO, unserem „Pic-à-Pic Rapier Opener“, lösen wir ein konkretes Problem in der Webpraxis: Bisher war die mechanische Greiferöffnung starr – mit PIRO lässt sich die Greiferauslösung auf der rechten Maschinenseite jetzt für jeden Schusskanal individuell einstellen.

Das ist ein Vorteil bei Schussgarnen mit unterschiedlicher Feinheit oder Elastizität. Gleichzeitig wird der Schussabfall reduziert, was vor allem bei teuren Fasern wie Carbon ein Kostenvorteil ist. Auch die Artikelwechselzeiten sind mit PIRO kürzer, weil sich alle Einstellungen artikelbezogen digital speichern und Fehleinstellungen vermeiden lassen. PIRO wird über das ErgoWeave®-Panel oder per Handrad bedient.

Das Interesse auf der Techtextil war groß, weil viele den Nutzen für ihre Gewebeproduktion sofort erkannt haben. Besonders gefreut hat viele Kunden, dass sich PIRO bei ihren bestehenden Greiferwebmaschinen nachrüsten lässt.


8. DORNIER bietet Lösungen wie PIRO und den Electronic Cloth Winder gezielt als Retrofits für bestehende Anlagen an. Beobachten Sie angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheit eine Veränderung im Investitionsverhalten Ihrer Kunden? Und wird es künftig wichtiger, bestehende Maschinen technologisch immer wieder auf den neuesten Stand zu bringen, anstatt in neue Anlagen zu investieren?

In einem dynamischen Marktumfeld, wie wir es gerade erleben, werden Investitionen natürlich noch sorgfältiger geprüft als in ruhigeren Zeiten. Da gewinnen Lösungen an Bedeutung, mit denen sich bestehende Maschinen technologisch optimieren und an neue Anforderungen anpassen lassen, ohne gleich eine neue Maschine anschaffen zu müssen.

Der Electronic Cloth Winder, kurz ECW, für die DORNIER P2 Greiferwebmaschine ist ein gutes Beispiel für so ein gezieltes Retrofit: Als elektronische, interne Warenaufwicklung ermöglicht er das präzise und reproduzierbare Aufwickeln der Gewebe, dank Servomotor und Getriebe wartungs- und verschleißfrei. Der ECW hat sich innerhalb kurzer Zeit zu einer unserer gefragtesten Retrofit-Lösungen entwickelt.

Unabhängig von der aktuellen Marktsituation wollen wir mit Retrofits wie ECW und PIRO aber dafür sorgen, dass Kunden auch jahrzehntealte DORNIER-Webmaschinen wirtschaftlich und wettbewerbsfähig betreiben können. Die Langlebigkeit unserer Maschinen ist seit jeher ein zentraler Bestandteil des DORNIER-Werteversprechens – und hat für uns als Familienunternehmen auch unter Nachhaltigkeitsaspekten einen hohen Stellenwert.


9. Immer wichtiger in der Weberei wird die Digitalisierung. Mit DoXWeave und DoXNet ermöglicht DORNIER die Vernetzung des Maschinenparks, betont dabei aber ausdrücklich die Datensouveränität des Kunden und setzt auf Lösungen, die auf dessen eigener IT-Infrastruktur laufen können. Gleichzeitig gewinnen Cloud-Anwendungen und künstliche Intelligenz in der Industrie an Bedeutung. Wie sieht für Sie die digital vernetzte Weberei der Zukunft aus – und welche Rolle werden Automatisierung und KI dabei spielen?

Die Digitalisierung hat bei DORNIER einen hohen Stellenwert.

Was in den 1990er-Jahren noch als Vision unter dem Stichwort „vernetzte Weberei“ begann, ist heute mit Industrie 4.0 und vernetzten Maschinenparks in vielen Webereien gelebte Praxis. Gleichzeitig sind Artikel- und Musterdaten, Maschineneinstellungen und Prozesswissen wertvolles Know-how, das geschützt werden muss. Deshalb stehen bei unseren digitalen Lösungen neben einfacher Bedienbarkeit und Zeitersparnis auch Datensicherheit und Datensouveränität im Fokus.

Genau darauf sind DoXWeave und DoXNet zugeschnitten: Mit DoXWeave lassen sich Maschinendaten zentral verwalten und vergleichen, DoXNet ermöglicht den Austausch von Muster- und Artikeldaten sowie den Fernzugriff auf vernetzte Webmaschinen. Da DoXNet auf der IT-Infrastruktur des Kunden läuft und keinen Internetzugang benötigt, behält die Weberei die volle Kontrolle über ihre Daten. Ein wichtiger Treiber der Digitalisierung ist der Fachkräftemangel. Deshalb statten wir unsere Webmaschinen mit digitalen Assistenzsystemen aus, um das Personal zu unterstützen. Trotzdem bleibt die Erfahrung qualifizierter Fachkräfte in der Weberei unverzichtbar – Assistenzsysteme können zwar helfen, auch bei knapper Personaldecke sicher zu produzieren, aber sie können Menschen nur unterstützen, nicht ersetzen.

Für die sichere Nutzung digitaler Lösungen werden Datensouveränität und Datensicherheit auch künftig zentral sein, damit Webereien die Chancen, die Automatisierung und KI bieten, mit Vertrauen einsetzen können.

Luftwebmaschine A2  © 2026 Lindauer DORNIER
Luftwebmaschine A2 © 2026 Lindauer DORNIER


10. Wenn wir fünf oder zehn Jahre vorausblicken: Wie wird sich die Weberei Ihrer Meinung nach verändern? Erwarten Sie herausragende Veränderungen eher im Bereich der Webtechnologie oder darin, wie sie genutzt wird? Und was möchten Sie persönlich mit der Webmaschinensparte von DORNIER bis dahin erreicht haben?

Ich erwarte Veränderungen sowohl in der Webtechnologie selbst als auch darin, wie sie genutzt wird.

Die Webmaschine wird noch stärker Teil einer vernetzten, intelligenten Produktion sein, die Daten sicher nutzt und das Bedienpersonal im Alltag mit Assistenzsystemen digital unterstützt, Gewebe zuverlässig herzustellen. Wir merken auch, dass die Gewebeherstellung zunehmend stärker von Nachhaltigkeitsfragen geprägt wird – etwa bei der zuverlässigen Verarbeitung von Rezyklaten und biobasierten Garnen.

Die Weberei der Zukunft wird anpassungsfähig sein, um unterschiedliche Materialien sicher und effizient zu verarbeiten, schnell auf wechselnde Anforderungen zu reagieren und Energie und Ressourcen möglichst sparsam einzusetzen. Mein persönliches Ziel ist es, die Webmaschinensparte von DORNIER für Webereien in den Bereichen Bekleidung, Heimtextilien, technische Textilien und Composites als technologisch führenden und verlässlichen Partner weiterzuentwickeln, auf dessen Webmaschinenlösungen sich unsere Kunden jederzeit verlassen können.

Künftig sollen noch mehr Unternehmen in DORNIER einen langfristigen Technologiepartner sehen, der sie von der ersten Idee bis zur Serienproduktion begleitet.


11. Sie sind Ingenieurin und führen heute eine der renommiertesten Webmaschinensparten der Welt. Was begeistert Sie persönlich bis heute am Weben? Gibt es eine Anwendung oder Entwicklung, bei der Sie selbst manchmal staunen, was mit moderner Webtechnologie inzwischen möglich ist?

Mich begeistert am Weben, immerhin eine der ältesten Herstellungstechniken der Menschheit, vor allem die enorme Bandbreite der Anwendungen. Auf unseren Webmaschinen entstehen heute neben feinsten Anzugstoffen, edlen Damastgeweben, hochwertigen Möbel- und Dekostoffen vor allem auch Airbags, Reifencord, Filtergewebe, Fallschirme, feuerfeste Schutzbekleidung für Feuerwehrleute und Verstärkungsgewebe für Turbinenschaufeln in Flugzeugtriebwerken, medizinische Prothesen und Sportartikel.

Überall auf der Welt demonstrieren unsere Kunden jeden Tag aufs Neue, dass das Weben kein verstaubtes Handwerk ist, sondern eine Schlüsseltechnologie für zahlreiche Branchen. Und das Paradoxe ist ja: Viele dieser Gewebe sind im Alltag völlig unsichtbar, obwohl sie Höchstleistungen vollbringen, Leben retten, die Umwelt schützen oder technische Funktionen ermöglichen, die man auf den ersten Blick nicht mit Gewebe verbinden würde.

Ich freue mich darauf, gemeinsam mit unseren Kunden neue Anwendungen zu entwickeln, die heute vielleicht noch wie Zukunftsmusik klingen, morgen aber wie selbstverständlich zu unserem Alltag gehören.




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